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Das Theaterstück der Hamburger Jedermann

„Jedermann!”
Aus der gewaltigen Backsteinfront der Speicherstadt ertönt der mark-erschütternde Ruf, der das Publikum den Atem anhalten lässt. Dann tritt Stille ein, und der Kampf um die Seele des Jedermann beginnt.

Bereits im 25. Jahr geht der „Hamburger Jedermann“ von Michael Batz über die Bühne. Diese moderne und sehr überraschende Fassung einer ernsten Komödie wurde der Speicherstadt ge- radezu auf den Leib geschrieben. Ein facettenreiches Porträt der Hamburger Gesellschaft setzt das traditionelle Mysterienspiel in den Gegenwartsbezug: Worin besteht die Identität unserer heutigen Städte? Was ist ihre „Seele“?

Besucher aus der ganzen Republik kommen zu dem sommerlichen Spektakel, das seinen Anfang nimmt, wenn die abendliche Sonne hinter den hellgrünen Dächern der alten Kaufmannstadt versinkt. Der Duft von Gewürzen liegt in der Luft, eine zuweilen italienisch anmutende Atmosphäre legt sich über den Spielort, immer größer werdende Schatten wachsen an der gegenüberliegenden Kulisse empor, der Zauber des Theaters zieht die Menschen in seine Faszination.

Der Hafen — ein Hafen auch für die Kunst!

Ein Märchen über den Kapitalismus

Der Profit lässt Menschen sich das Leben nehmen, schlachtet ihre Organe aus, jagt sie hin und her in einem Spuk der Produkte.

Wie ein schwarzer Schatten liegt die Mortifikation über Entdeckungen, Erwartungen und den
letzten Hoffnungen.

Das alles ist grausam-lustig, amüsant vorbei rauschend, verstörend wahr und großartig
unterhaltsam zugleich an diesem Ort grandioser Schönheit. Das völlig Alberne steht neben
dem zutiefst Ernsten.

Besser kann man unser Leben, wie wir es führen, leben, hinnehmen, vermarkten, vergeuden,
verstreichen lassen, und zugleich den Impuls, sich gegen Wegnahme und Verlust aufzulehnen, nicht beschreiben.

Claus Benkeloh

Sehr geehrter Herr Batz,

erlauben Sie, dass ich Ihnen noch einmal schriftlich für den wunderbaren „Hamburger Jedermann“ gestern Abend danke! Diese Konzeption eines Kranzes von doch sehr heterogenen Elementen (Totentanz, Mysterienspiel, frechen, revueartigen Szenen und anderem) fand ich wunderbar! (Herrliche Kostümeinfälle!) Dass all dies (und natürlich so viel mehr!) so mal unschuldig leicht und unaufdringlich gefällig, mal dreist und brutal geschieht, ist großartig, eben weil dies, diese vielseitige ,,Mortifikation“, der eigenen gelebten Realität entspricht.

Großartig der Schluss, mit dem dieser Patchwork-Teppich des in unterschiedliche „Mortifikationen“ zerstückelten Lebens überwölbt wird durch einen ganz naiven, kindlichen Blick zum Himmel, der im Zuschauer das eigene, kindliche Lebens-Ich wider eigenes Erwarten zum Leben erweckt. Dieses Lied, das da in hinreißender Schlichtheit ganz zart mehr gesummt als gesungen wird, das kennt jeder noch aus seiner eigenen Kindheit und so erinnert er sich ihrer als einer Zeit, „als das Wünschen noch geholfen hat“, als eines Lebenstraumes, den er in seinem Lehen progressiver „Mortifikationen“, unter proportional zunehmendem Zynismus in sich selbst, nach und nach zu begraben gelernt hat. Nun erlebt er hier für kurze Zeit, am Ende Ihres Stückes, in sich eine Art Auferstehung seines gekreuzigten Lebens – das ist großartig!

Ihnen noch einmal recht herzlichen Dank für Ihren ,,Hamburger Jedermann“ sagend, verbleibe ich mit freundlichen und herzlichen Grüßen

Ihr
Michael Magunna

Die Liebe zweier Menschen

Die Liebe zweier Menschen, die dem Leben Sinn geben können, weil sie den Tod nicht fürchten, genügt, so das fabula docet der Moritat, um dem Absterben im Zeichen des großen Mammon Paroli zu bieten.

Walter Jens